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3 Tage sind nun seid dem Erwachen von Mika als Sailor Crystal Sea vergangen. Alles scheint auf einmal seinen gewohnten Gang zu gehen, auch wenn das für Aya, Mika, Chibiusa, Rei, Ami, Makoto, Minako und all die anderen nicht mehr der Fall sein wird. Doch die Bewohner der Erde ahnen nichts davon. Seltsamerweise wurde noch nicht einmal in der Presse von den Angriffen der Dämonen berichtet. Es ist, als wäre alles nur ein Traum gewesen und langsam beginnt Aya, daran zu glauben. Auch wenn das Handy das sie in der Hand hält, sie eines besseren belehrt. Gerade als sie es in ihre Schultasche stecken wollte, klingelte es. Nervös ging Aya dran, doch wer konnte es schon sein, außer Chibiusa? "Ja?" Ayames Stimme zitterte, als sie den Anruf annahm. "Ayame? Bist du es? Hier ist Mika!" "Mika! Woher...?" "Ich habe Luna getroffen. Sie hat mir auch ein Handy gegeben." "Verstehe." "Ayame. Wir müssen reden. Können wir uns irgendwo treffen?" Mika wirkte auf einmal sehr angespannt. So als würde sie unter Zeitdruck stehen. Aber Aya konnte sich schon vorstellen, warum. Ihr Terminplaner war wahrscheinlich voll mit Terminen. "Ja. Wie wäre es mit der Karaokebar in Azuba?" "In Ordnung. Ich bin um vier da. Sei bitte pünktlich, ich habe nicht so viel Zeit. Du verstehst schon." "Versprochen." Und dann hatte Mika schon aufgelegt. Kein auf Wiedersehen oder ähnliches. Ein Moment noch schaute Aya auf das leere Display, dann schloss sie das Handy und steckte es wieder in die Tasche. An diesem Samstag war sie mit Shun verabredet. Er hatte sie zu einem Café eingeladen und Aya war aus dem Häusschen. Nach ihrem Gefühlsausbruch dachte sie eigentlich, er würde sich nicht mehr bei ihr melden. Doch da sie Handynummern ausgetauscht hatten, rief er sie direkt am nächsten Tag an und sie verabredeten sich für heute. Die Umarmung zeigte jetzt noch Nachwirkungen und die Gefühle die die Erinnerung auslöste, waren Aya völlig unbekannt. Sie hatte sich geschworen, Shun eine Chance zu geben und ihm zu vertrauen. Ein letztes Mal wollte sie sich jemanden öffnen und riskieren, zurück gewiesen und verletzt zu werden. Sie hatte so ein gutes Gefühl bei der Sache, das es gar nicht schief gehen konnte. Voller Vorfreude verlies sie das Haus, vorbei an ihrer Mutter. Beide Frauen warfen sich keinen Blick zu. "Verdammt! Jetzt ist schon eine zweite neue Senshi aufgetaucht! Was hat das alles nur zu bedeuten?", schnaubte der Mann, der in dunklen Klamotten gekleidet ist. "Tsuya! Beruhige dich. Es bringt dir nichts, dich auf zu regen. Du hast doch die zweite Senshi geschafft! Und du hattest die Gelegenheit, alle Senshis zu bekommen!", die junge Frau lehnte ihren Kopf an Tsuya als sie sprach und streichelte leicht seine Brust. "Mach dir doch nicht so viele Gedanken!" "Du verstehst das nicht Irain. Ich habe versagt! Was bringt es uns, wenn wir die einen ausschalten und neue auftauchen?" "Das frage ich mich auch!" Beide schraken hoch, als die Frau mit ihrem verhüllten Gesicht auftauchte und langsam zu ihnen stolperte. Sofort fielen sie auf die Knie und riefen: "Herrin!" "Tsuya. Du hast bisher gute Arbeit geleistet, weswegen ich dir diese Fehler nicht ankreide. Aber findest du nicht, du solltest dich nicht auf deinen Loorbeeren ausruhen?" "Herrin. Es war nicht meine Schuld. Ich konnte doch nicht ahnen, das es noch weitere, unbekannte Senshi gibt!" "Schweig! Bist du wirklich so dämlich oder hast du diese Energien nicht gespürt? Der ganze Planet scheint von Senshis nur so zu wimmeln. Fast überall gibt es eine starke Energie, die nur von einem echten Sternenkristall stammen kann. Wir dürfen uns diese Energien nicht entgehen lassen, wenn wir die Erde einnehmen wollen!" "Herrin, verzeiht mir!" "Versagt einfach nicht noch einmal. Wir haben nun die zweite Senshi und entziehen ihr gerade ihre Energie. Bringt uns die anderen und wir verzeihen euch!" "Jawohl!", sagte Tsuya und verschwand sofort in der Dunkelheit. Ayame war anscheinend zu früh im Café, denn es war noch kein Shun zu sehen. Sie suchte sich einen Tisch aus und bestellte sich einen Eistee, während sie auf ihn wartete. Das Café war Recht leer, was sie erleichterte. Keine neugierigen Blicke. Gerade als ihr Tee kam, ging jedoch die Tür auf und Chibiusa betrat mit vier anderen Mädchen das Café. Erstaunt beobachtete Aya die Gruppe und hörte wie eines der Mädchen sagte: "Ach komm schon, Chibiusa. Ein leckeres Eis wird dich wieder aufmuntern." "Nein, ich mag nicht. Bitte lasst uns wieder gehen!", jammerte Chibiua und lehnte sich gegen die Arme auf ihren Rücken, die sie nach vorne schoben. "Was ist denn los? Nicht mal Eis willst du haben?" Chibiusa schwieg und Aya senkte den Kopf. Innerhalb kürzester Zeit hatte Chibiusa ihre Schwester und ihre Freundin verloren. Und sie konnte es denn Mädchen noch nicht einmal richtig erklären. Aya konnte ahnen, wie Chibiusa sich fühlte. "Ayame!", hörte sie Chibiusa plötzlich rufen und drehte sich erschrocken um. Chibiusa rannte auf sie zu und setzte sich ihr gegenüber. "Du bist ja auch hier. Wie schön. Wie geht es dir?" Aya war überfordert. Vor allem da die anderen Mädchen, die sie jetzt als Mitschülerinnen erkannte, auch zu ihr kamen. "Ich...", stammelte sie nur und dann sagte eines der Mädchen: "Ach ne. Unsere Dämonin ist auch hier. Seid ihr jetzt Freundinnen, Chibiusa?", meinte eine von ihnen. Chibiusa schaute ernst und meinte: "Na klar. Und falls ihr es noch nicht gemerkt habt, wir haben die gleiche Augenfarbe. Also nennt sie nicht Dämonin sonst bekommt ihr es mit mir zu tun!" Ein Raunen ging durch die Gruppe der Mädchen und Aya schaute Chibiusa ungläubig an. Tatsächlich. Sie hatten die gleichen Augenfarbe. Durch all die Geschehnisse um die beiden Mädchen herum, war es ihr nicht aufgefallen. "Ist ja schon gut. Wir lassen euch dann mal alleine!", meinte ein weiteres Mädchen und drückte ihre Freundinnen von den beiden sitzenden Mädchen weg. "Entschuldige. Manchmal sind sie echt primitiv!", meinte Chibiusa und lächelte Aya freundlich an. Diese nippte verlegen an dem Strohhalm in ihrem Eistee. "Hast du den Schock etwas überwunden?" "Hm?", Aya wusste nicht, was Chibiusa meinte. "Das du eine Senshi bist?" "Ich denke schon." "Das ist gut. Wir brauchen dich jetzt mehr denn je. Luna hat gemeint, sie hätte Mika gesucht und ihr ein Handy gegeben, damit ihr euch zusammen tut. Hat sie sich schon gemeldet?" Aya nickte: "Wir sind für heute verabredet." "Oh, wartest du gerade auf sie?" "Nein. Ich warte...", fing Aya an, doch sie wurde von dem gerade ankommenden Shun unterbrochen, denn Chibiusa wechselte gerade den Blick und schaute zu diesem. "Ah, verstehe!", meinte Chibiusa und zwinkerte Aya zu. Dann stand sie auf und ging. "Wir sehen uns dann übermorgen in der Schule", sagte sie noch und verschwand dann. Shun stand nun neben Aya und meinte: "Ah, nun reißen sie sich auf einmal alle um dich, was?" Sofort war Aya an das Gespräch von vor drei Tagen erinnert, an dem sie ihm sein Herz geöffnet hatte. Ihre Schüchternheit lies sie nur ein schüchternes Lächeln heraus bringen und Shun schmunzelte als er sich zu ihr setzte. Die Kellnerin kam und er bestellte sich einen Eisbecher. Dann herrschte einige Minuten lang, stille und Shun meinte: "Du machst es einem echt nicht leicht!" "Entschuldige!", meinte Aya. "Kein Grund dich zu Entschuldigen. Aber ich beiße nicht. Red ruhig mit mir.", meinte Shun und Ayas Wangen röteten sich leicht. Dann herrschte wieder Stille und Aya wäre am liebsten im Boden versunken. Plötzlich erschien in ihrem Teeglas ein Gesicht. Das Gesicht ihres zweiten Ichs Sailor Crystal Sun. Erschrocken sprang sie zurück und schmiss dabei fast das Glas um. "Alles in Ordnung?", fragte Shun und Aya meinte schnell: "Ja, da war nur eine Biene!" "Um diese Jahreszeit?", fragte Shun ungläubig und aß dann weiter an seinem Eis. "Soll ich dir helfen?", meinte Sun auf einmal und Aya schüttelte leicht den Kopf. "Ich kann es. Lass mich einfach deinen Körper kontrollieren!" Erneut schüttelte Aya den Kopf und Sun schien etwas wütend zu werden. "Dann reiß dich zusammen und rede mit ihm!", schrie sie schon fast und Aya war froh, dass nur sie sie hören konnte und vor allem, dass sie es schaffte, sich kaum etwas anmerken zu lassen. Sie nickte nur leicht und sagte dann: "Danke, das du so nett zu mir bist?" Shun blinzelte erstaunt und meinte: "Wie? Dafür brauchst du dich nun wirklich nicht zu bedanken." "Nein, das muss ich. Es ist lange her, das jemand normal mit mir umgeht und sich nicht auf meine Augen festbeißt und einschüchtern lässt." "Chibiusa hat doch die selbe Augenfarbe. Du musst einfach Selbstbewußter wirken, dann lassen dich die anderen auch in Ruhe." "Ich wünschte, ich könnte Selbstbewusster sein!" "Dann bringe ich es dir bei!", meinte Shun und Aya schaute ihn überrascht an. "Würdest du?" "Na klar. Das ist doch leicht für jemanden mit so viel Selbstbewusstsein wie mich!" Shun posierte und Aya konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Na siehst du. Es funktioniert schon. Du musst aufhören, Angst vor den Reaktionen anderer Menschen zu haben. Sie können dich nur verletzten, wenn du es auch zulässt. Verstehst du?" "Ich denke schon", gab Aya zu. "Gut. Was machst du denn am liebsten?" Aya überlegte. "Singen." "Perfekt. Dann stehst du jetzt auf singst dein Lieblingslied!" Aya verschlug es die Sprache. Piebsend schrie sie: "Was?!" "Das ist die perfekte Übung!" "Das... kann ich nicht!" "Versuch es!" "Nein!", schrie Aya und schaute dabei Shun sehr wütend an, der nun aufgab. "Okay, okay! Lass mich überlegen. Die Karaokebar! Das ist es. Dort übst du und wenn du dich bereit fühlst, singst du vor ein paar Leuten, in Ordnung?" Bei den Worte Karaokebar fiel Aya wieder etwas ein und schnell schaute sie auf die Uhr. "Verdammt! Das hatte ich ganz vergessen!" "Suchst du jetzt eine Ausrede?" "Nein. Ich habe mich mit Mika in der Karaokebar um vier verabredet?" "Wie? Mika Nakamura?" "Genau." "Dann sollten wir ganz schnell hingehen. Es ist schon fast halb!" "Du willst mit?" "Ja klar. Ich lass mir doch nicht Mika Nakamura entgehen." Aya seufzte laut, doch gab sie sich dann geschlagen und ging mit Shun, nachdem sie bezahlt hatten, zur Karaokebar. Mika war noch nicht da, weswegen sie sich bereits einen Raum reservierten. Gerade als sie fertig waren, kam ein Mädchen mit blonden, langen, leicht gelockten Haaren durch die Tür und meinte: "Entschuldigt, das ihr warten musstet. Aber ich musste noch schnell sicher gehen, das mir keiner gefolgt ist. Sonst fliegt noch meine Tarnung auf!" Das Mädchen zwinkerte Ayame zu und diese war erstaunt. War das jetzt Mika? Auch Shun schien sich dies zu fragen. "Mika?" "Japp." "Aber deine Haare?", fragte Aya. Das letzte mal als sie sich gesehen hatten, hatte Mika noch kurze, dunkle Haare. Und auch in den Sendungen hatte sie immer diese Haare. "Die kurzen Haare sind nur eine Perücke. Eine Idee meines Managers. Der Kontrast zwischen langen blonden Haaren und kurzen Schwarzen ist einfach zu groß. So kann ich unter die Leute gehen, ohne Angst zu haben, überrannt zu werden. Wenn ihr versteht was ich meine." Shun und Aya nickten ungläubig. Die junge Frau die vor ihnen stand wirkte nun ganz anders. Selbstbewußter und irgendwie außerirdisch. Eine Japanerin mit blonden Haaren war einfach ein zu seltener Anblick. "Was macht Shun eigentlich hier? Wollten wir nicht reden?", fragte Mika dann und ignorierte auf einmal Shun. "Entschuldige. Er wollte unbedingt mit", meinte Aya. "Nun gut. Dann reden wir eben später. Gehen wir etwas Spaß haben!" Mika streckte den Arm in die Luft, dann griff sie nach Shun und Aya und hakte sich zwischen den beiden ein und ging mit ihnen in den reservierten Raum. Dort angekommen wählte sie sofort ein Lied aus und begann zu singen, während Aya und Shun es sich auf der Couch bequem machten. Mika schien nur so vor Selbstbewusstein zu strotzen und Aya begann sie zu bewundern. Als Mika fertig mit ihrem Lied war, streckte sie das Mikrofon in Richtung von Aya und meinte: "Und jetzt du!" Aya schüttelte sofort den Kopf. "Du brauchst eindeutig mehr Selbstbewusstein! Also los!" "Genau was ich sage!", meinte Shun stolz als Mika ihn damit unbewußst bestärkte. Erneut schüttelte Aya den Kopf. Mika schien es nun zu langen. Sie ging auf Aya zu, schnappte sie an der Hand, meinte: "Keine Widerrrede!" und zog sie auf das kleine Podest. Dann gab sie ihr das Mikrofon in die Hand und ging zur Musikauswahl. "Ich denke, das passt!" Und dann spielte ausgerechnet Ayas Lieblingslied. Aya konnte es nicht fassen. Wie konnte Mika das nur wissen? "Was ist? Leg los!", meinte Mika als Aya immer noch wie erstarrt da stand als bereits der Text auf dem Bildschirm zu sehen war. Aya nahm allen Mut zusammen und fing an, die ersten Zeilen leise zu singen. Als sie merkte, das Mika und Shun leicht mitwippten, sang sie etwas lauter und auf ihren Gesichtern zeichnete sich erstaunen ab. Aya begann sich immer mehr wohl zu fühlen, schloss die Augen und sang wie sie es immer tat, wenn sie alleine war. Und anscheinend tat sie dies gut, denn als sie fertig war, gab es Applaus von den anwesenden. "Wow! Das war großartig!", meinte Shun als Aya wieder die Augen geöffnet hatte. "Du brauchst deine Gesangsstimme wirklich nicht zu verstecken, liebes!", meinte Mika und die Anrede die sie benutzt, lies Ayas Wangen erneut eröten. "Meint ihr?", fragte sie unsicher. Beide nickten. "Natürlich!", meinte plötzlich Sun, die im Fernsehbildschirm zu sehen war. Schnell schaute Aya in die Gesichter von Shun und Mika. Doch Shun schien nichts bemerkt zu haben. Mika wirkte allerdings, als hätte sie einen Geist gesehen. Sie stand auf, ging auf Aya zu und legte den Arm um ihre Schultern. "Jetzt wollen wir aber noch mehr hören! Such dir ein Lied aus!", meinte sie und schob Aya zur Musikauswahl. So verging die Zeit mit weiteren Liedern, lachen und Spaß. So viel Spaß wie Aya lange nicht mehr hatte. Sie fühlte sich wohl und das merkten auch Shun und Mika, die die Zeit auch zu genießen schienen. Noch mehr schienen sie sich aber für Aya zu freuen, die nun locker tanzte, lachte und einfach glücklich wirkte. So vergingen die Stunden und als es bereits dämmerte, verliesen die drei die Bar. Als Aya ein Plakat an dem Schaufenster der Bar sah, blieb sie stehen und begutachtete es. Shun und Mika blieben stehen, als sie merkten, das Aya ihnen nicht mehr folgte. "Was ist?", fragte Mika und dann entdeckte sie das Plakat, das Aya so faszinierte. "Ein Gesangswettbewerb? Da musst du dran teilnehmen!" Aya drehte sich erschrocken zu Mika um. "Gesangswettbewerb? Das ist die Gelegenheit, Aya! Da musst du dran teilnehmen!" Shun riss das Plakat von der Wand und las es sich genau durch. "Er ist morgen. Das passt doch!" "Ich würde ja schon gerne... aber...", stammelte Aya. "Keine Widerrede. Du gehst da hin!" Mika schien entschlossen und Aya traute sich nicht, zu widersprechen. "Nun gut", meinte Aya doch schien noch sehr unentschlossen. Sie schaute die beiden bittend an und Mika schien sie schon wieder zu durchschauen: "Ich kann nicht mitgehen. Dort könnten Leute sein, die mich erkennen. Aber Shun geht bestimmt mit!" Mika zwinkerte Aya zu, aber diese Verstand den kleinen Wink nicht. "Na klar geh ich mit!" Shun war sofort Feuer und Flamme von der Idee. So verabschiedeten sie sich von Mika und Shun und gingen ihres Weges. Wegen dem fehlenden Gespräch wollte sich Mika noch einmal bei Aya melden. So verstrich der Tag und ein neuer begann. Mit flauem Magen betrat Aya das Haus in dem sie lebte, sie aber nicht mehr als ihr "Zuhause" bezeichnen konnte. Nicht, seit dem Tod ihrer Schwester. Nicht mehr als ihr Vater sie danach verlies und ihre Mutter sich so veränderte. Ein wenig konnte sie ihre Mutter verstehen, aber es änderte nichts daran, das sie sich alleine fühlte. Mit einem schweren Atem öffnete sie die Tür. Ein Hindernis gab es für den Wettbewerb noch zu überwinden. Sie brauchte die Unterschrift ihrer Mutter. In ihren Gedanken malte sie sich bereits aus, wie das Gespräch laufen würde. Es gab genau zwei Möglichkeiten. Die erste war, sie unterschrieb es und zeigte überhaupt kein Interesse. Die zweite Möglichkeit war, sie tobte und zerris den Zettel. Aber Aya lag mittlerweile sehr viel an diesem Wettbewerb und sie wollte Mika und vor allem Shun nicht enttäuschen. Jetzt stand sie in der großen Wohnküche und hinter der Theke am Herd, stand ihre Mutter und bereitete das Abendessen vor. Beide sagten kein Wort weswegen sich Aya nicht sicher wahr, ob ihre Mutter sie überhaupt bemerkt hatte. "Mutter?", fragte sie vorsichtig. "Was ist? Sprichst du auf einmal wieder mit mir?" Aya überlegte sich, wie sie das Gespräch am besten anfangen sollte. Als ihr jeder Weg unsinnig erschien, fing sie einfach an zu reden: "Ich brauche deine Unterschrift für einen Wettbewerb, an dem ich gerne teilnehmen möchte. Hier, das Formular!" Sie legte es auf die Theke und hoffte, dass ihre Mutter sich nicht weiter durchlesen würde, um was es dabei ging. Doch ihre Mutter reagierte nicht. "Mutter... bitte!", fügte Aya noch hinzu, doch sie reagierte immer noch nicht. Doch immer noch keine Reaktion. Sie drehte sich nicht einmal um. Aya platzte der Kragen: "Kannst du dich bitte wenigstens umdrehen und mir in die Augen schauen, Mutter?!" Endlich reagierte sie. Sie drehte sich tatsächlich um und schien sehr unbeteiligt, fast schon genervt. "Warum nervst du mich damit? Tagelang kommt nichts von dir und dann willst du auf einmal was von mir? Hilf mir erst einmal im Haushalt, bevor du mit so etwas ankommst!" Genervt holte die Mutter aus und warf den Zettel durch die Luft und flatterte gen Boden. "Wenn Chi dich danach gefragt hätte, hättest du sofort "Ja" gesagt." Aya standen die Tränen in den Augen, als sie sich an ihre ältere Schwester erinnerte. "Nenn sie nicht so. Ihr Name ist Chise! Und sprich vor allem nicht von ihr. Nicht du!" "Du hasst mich wirklich, Mutter. Nicht wahr?" "Hör schon auf." Ihre Mutter drehte sich wieder zum Herd um und rührte im Topf herum. "Ich hab doch Recht. Ich war dir nie gut genug. Und... seid sie tot ist, behandelst du mich wie Luft!" "Hör auf", sagte ihre Mutter im gleichen Tonfall. "Sicher wünschst du dir, Chi wäre noch hier und ich wäre an ihrer Stelle bei dem Unfall ums Leben gekommen, nicht wahr?" "Ich sagte du sollst aufhören!" Wütend drehte sich ihre Mutter herum. "Ich versteh schon!", sagte Aya. Auf ihren Wangen liefen die Tränen herunter in Bäche und sie stürmte aus dem Haus. Das Formular fest in der Hand geknüllt. Draußen regnete es in Strömen. Nun wusste sie nicht wohin und lief den naha gelegenen Park um sich etwas zu beruhigen. Doch die Tränen wollten einfach nicht aufhören zu fließen. Die Erinnerungen an den Streit schmerzten. Doch noch mehr schmerzten sie die Erinnerungen an ihre Schwester. Bilder waren in ihrem Kopf, wie sie zusammen herumalberten und Spaß hatten. Zu gerne erinnerte sie sich an die offene und lustige Art ihre Schwester. Damals konnte sie auch viel mehr lachen und war offener und gerne wäre sie es heute wieder. Shun und Mika schienen diese Seite in ihr wieder langsam zu erwecken. Sie setzte sich auf eine Bank und schaute zum Himmel auf. Der Mond schien hell und war fast voll. Noch immer wollten die Tränen nicht aufhören zu fließen, denn die Erinnerung an den Unfall war allgegenwärtig. Sie drückten Aya auf die Brust und nahmen ihr die Luft zum atmen. Plötzlich merkte sie, wie ein Schatten sich an ihrer rechten Seite aufbaute. Er schien von einem jungen Mann zu kommen und als sie zu ihm umdrehte, stand dort tatsächlich Shun und schaute sie berührt an. "Shun?" Aya wischte sich schnell die Tränen weg. Er schien gerade vom Einkaufen zu kommen, denn er trug einige Einkaufstüten bei sich. Sie erkannte sie wieder, denn sie stammten von dem Convini Store in dem sie auch gerne Shoppen ging. "Alles in Ordnung?", fragte Shun sichtlich besorgt und Aya nickte erst, doch dann schüttelte sie leicht den Kopf: "Nein, nicht wirklich." "Was ist denn passiert?" Shun hielt mittlerweile den Schirm über Aya und sich und hatte sich neben sie gesetzt. Sein aufmerksamer Blick verunsicherte Aya. "Ich... hab mich mit meiner Mutter gestritten... eigentlich sollte ich mich daran gewöhnt haben." Noch immer liefen Tropfen über ihr Gesicht. Es regnete noch immer doch unter die Regentropfen mischten sich auch noch immer ihre Tränen, die langsam über ihr Gesicht liefen. Einige Sekunden war es still zwischen den beiden. Dann meinte Shun: "Hm, das klärt sich bestimmt wieder. Sag mal, müsstest du nicht zu diesem Wettbewerb?" Aya schaute erstaunt rein. Durch den Streit mit ihrer Mutter, hatte sie diesen fast vergessen. Jetzt wieder daran erinnert wurde sie panisch. "Verdammt!", schrie sie und begann wild hin und her zu rennen. "Da lang... nein! Da lang!" Doch bevor sie weiter in die gewählte Richtung gehen konnte, griff Shun sie an der Hand und zog sie in eine völlig andere Richtung. "Was soll das Shun?" "Es geht hier lang!" So erreichten sie schnell das Gebäude in dem der Wettbewerb statt finden sollte. Sie konnten ihn kaum verfehlen denn davor standen viele jungen Mädchen und Jungs und am ganzen Gebäude waren Poster sowie Plakate befestigt. Schweigend stand Aya nun vor dem Pult für die Anmeldung. Sie hatte ja keine Unterschrift ihrer Mutter. Wie also sollte sie jetzt da hinein kommen? Shun war mit dem Anmeldezettel verschwunden und kam gerade wieder, als sie gehen wollte. Er ging zu der Frau hinter dem Pult und gab ihr den Zettel und Aya bekam ihre Nummer. "Was hast du...?", fragte Aya und Shun zeigte ihr an, dass sie still sein sollte. Er klebte ihr die Nummer an ihre Uniform und zeigte ihr wo es in den Warteraum ging. Neugierig und etwas ängstlich schaute sich Aya im Raum um. Überall nur hübsche Menschen die ihr Selbstbewußtsein zu Boden stampften. Doch dann schaute sie zu Shun und dies munterte sie wieder etwas auf. Sie war das erste Mal nicht alleine und fühlte sich auch so. Plötzlich hörte sie eine Mädchen stimme sagen: "Geht lieber gleich nach Hause! Ihr habt sowieso keine Chance!" Die Stimme gehörte zu einer jungen Frau mit schwarzen kurzen Haaren und einer Modelfigur. Dennoch schien jeder im Raum außer sie von ihrem Auftritt genervt zu sein. Die, die sie nicht ignorierten schienen über sie zu plaudern. Doch Aya hatte das Gefühl, sie von irgendwoher zu kennen. Als sich ihre Blicke trafen kam sie auf einmal auf sie zu und blieb dicht vor ihr stehen. "Guck nicht so. Du solltest lieber tue was ich sage. Ran wird diesen Wettbewerb gewinnen. Ist doch klar!" "Du bist aber sehr von dir überzeugt!", meinte Shun und schob Ran etwas von Aya weg, als er merkte, wie unsicher diese wurde. "Statt anderen zu sagen was sie tun sollen solltest du dich lieber um dich selber kümmern!" "Was glaubst du wer du bist?", schimpfte Ran. Doch statt etwas zu erwidern zeigte Shun nur gerade aus auf einen Mann, der zu Ihnen schaute und Ran verstand. Er wartete nur auf sie und dies bedeutete, dass sie an der Reihe war. "Komme schon!", rief sie und rannte dann los. "Was eine Zicke!", meinte Shun leise und Aya nickte nur. Noch immer war sie von dem Selbstbewußtsein dieser jungen Frau überrascht. Nun galt es auf darauf zu warten, dass ihre Nummer aufgerufen wurde. Da sie eine sehr hohe Nummer hatte, ahnte sie schon, dass sie sehr lange warten musste und so kam es dann auch. Sie war fast eine der letzten als sie an der Reihe war. Das Ran von einigen Minuten wieder genauso Selbstbewußt in den Raum zurückkam, machte sie nur noch nervöser. Shun nahm ihre Hand und drückte sie ganz fest, was Ayas Wangen sich erneut röteten lies. Dann meinte er: "Nur Mut! Du schaffst das schon!" "Ich... glaube nicht!", stammelte Aya. Plötzlich hörte sie eine bekannte Stimme hinter sich sagen: "Das ist doch nicht dein ernst, oder Aya?" "Mika!", quietschte Aya überrascht. "Wie?" "Ich hab mich beeilt und hatte somit früher Feierabend. Also bin ich gleich hierher gekommen um dich zu Unterstützen. Wir müssen doch zusammenhalten!" Mika zwinkerte ihr zu und Aya wusste sofort, welche Art von Unterstützung Mika noch meinte. Sie nickte und ging dann in den Raum in dem man nun auf sie wartete. Es dauerte eine Weile und Mika und Shun vertrieben sich die Zeit mit auf und ab laufen. Als Aya dann wieder den Raum betrat, stürmten sie zu ihr. Sie sah nicht sehr glücklich aus. Beide scheuten sie zu fragen wie es lief doch plötzlich strahlte Aya sie an und meinte: "Ich bin in der nächsten Runde!" Mika meinte plötzlich: "Mach dir nichts draus, das... DU HAST ES GESCHAFFT!" Durch die plötzliche Lautstärke überrascht, hielt sich Aya die Ohren zu. "Super gemacht!", schrie Shun und nahm Aya hoch und schleuderte sie einmal um seine Achse. Als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte, war Aya leicht schwindelig und meinte fast, das der Schrei den sie gehört hatte, ihrer Fantasie entsprang. Doch an Mika und Shuns Gesicht konnte sie erkennen, dass dem nicht so war. Ohne ein Wort zu verlieren rannte Mika los und Shun folgte ihr. Aya rannte den beiden hinterher und am Ursprungsort des Schreies angelangt waren, standen sie vor der Mädchentoilette. Shun seufzte und Mika schlug gleich vor: "Bleib du hier. Aya und ich schauen nach!" Shun nickte widerwillig: "Aber wenn ihr Hilfe braucht, ruft ihr!" Mika nickte und rannte dann in die Toilette rein. Aya und Shun wechselte kurz einen Blick, dann war auch Aya aus Shuns Blickfeld verschwunden. Er schaute sich kurz um und blieb dann davor stehen. Hilfe zu holen zog er nicht in Betracht denn er wollte da sein, falls die beiden wirklich Hilfe brauchten. Mika und Aya rannten durch den schmalen Flur und gelangten dann zu den Raum in dem die Waschbecken standen und ihre Vermutung wurde bestätigt. Ein Dämon machte sich an einem Mädchen zu Schaffen die Aya gleich als Ran erkannte. Ein Mann dem sie nun schon öfters begegnet sind, feuerte den Dämon an: "Los! Entzieh ihr die Energie! So wie es scheint ist sie auch eine dieser Senshi!" Mika und Aya huschten wieder in Deckung. "Hast du das gehört? Dieses Mädchen ist auch eine Senshi!" Aya konnte nur nicken. Ohne Zeit zu verlieren verwandelte sich Mika während Aya noch etwas zögerte. Doch sie tat es dann auch. Gemeinsam stürmten sie auf den Dämon zu. Mika trat auf ihn ein und so musste er von Ran einen Moment ablassen. Erschöpft ging sie zu Boden. Aya ging zu ihr und versuchte ihr aufzuhelfen, doch Ran schlug die Hand weg. "Fass mich nicht an!", schrie diese und Aya zog die Hand erschrocken zurück. "Ich will... dir nur helfen!", meinte Aya. Doch Ran schien das nicht zu interessieren. Sie nahm ihre Beine in die Hand und wollte durch den schmalen Gang entkommen. Tsuya jedoch wollte sie nicht entkommen lassen und erschuf eine Wand aus Magie in der Verbindung zum Flur und Ran rannte dagegen und fiel nach hinten auf den Boden. "Du bleibst schön hier!", schrie er und schleuderte Mika, die ihn gerade Angriff weg und diese knallte gegen eines der Waschbecken das fast vollständig zersprang. Wut machte sich bei diesem Anblick in Aya breit und sie raste auf Tsuya zu und die beiden lieferten sich einen schnellen Schlagabtausch. Überrascht sah Mika alias Sea wie Sun einem Angriff nach dem anderen Auswich und wieder konterte als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. Doch dann nutzte Tsuya einen Moment aus und schleuderte ihr einen Energieball in den Magen und Aya flog neben Mika ebenfalls in eines der Waschbecken. Während die beiden versuchten wieder auf die Beine zu kommen, näherte sich Tsuya Ran die noch immer erschrocken gegen die magische Wand gelehnt lag und dem Geschehen angespannt folgte. "Nun zu dir!", sagte er und griff nach Rans Hals. Sun wollte ihr helfen, doch der Dämon hielt sie fest und so mussten Sea und Sun sich erst mit ihm herumschlagen, bevor sie Ran helfen konnten. Tsuyas Hand kam Rans Hals immer näher und als Rans Panik zu groß wurde und sie lauthals schrie, erwachten ihre Senshikräfte. In leuchtendem roten Licht und unter den staunenden Augen der anwesenden, verwandelte sich Ran in eine Senshi in einer leuchtend roten Rüstung. "Hab ich es doch gewußt!", meinte Tsuya und wollte nach Ran greifen. Doch diese schien wie in Trance, verfiel dann wieder in Panik und streckte die Arme schützend aus. Aus ihnen schoss ein heller Feuerball der Tsuya und den Dämon traf, während Sea und Sun gerade noch so ausweichen konnten. Der Dämon ging in Flammen auf, während Tsuya geschwächt zu Boden ging. Die Barriere hinter Ran löste sich auf und Tsuya stammelte: "Verdammt! Das nächste Mal kriege ich euch alle drei!" Dann verschwand er in gleißendem Licht das die Mädchen blendete. Einige Sekunden lang schauten sie sich nur sprachlos an. Dann ging Mika auf Ran zu und meinte: "Du beherrschst also das Feuer? Willkommen im Team!" Sie reichte Ran die Hand entgegen doch diese schien immer noch in Panik zu sein. Völlig aufgelöst rannte sie aus den Toiletten. "Was... ist denn mit der los?", fragte Mika sich. "Vielleicht hat sie einen Schock oder so?", stellte Aya fragend fest als plötzlich erneut die Tür aufging und ein Heer an Reportern die Toilette betrat und ein wildes Blitzgewitter los ging. Tausende von Fragen prasselnden auf die Kriegerinnen ein, die sich noch immer nicht zurückverwandelt hatten. Mika griff geistesgegenwärtig Ayas Hand und zog sie hinter sich her. "Wir müssen schnell weg!" "Aber Shun?", fragte Aya ungläubig. "Es geht nicht anders. Wir suchen ihn, nachdem wir diese Meute abgehängt haben!" Aya wusste, dass Mika Recht hatte und so rannten sie aus den Toiletten direkt an Shun und weiteren Schaulustigen vorbei. Shun und Ayas Blick trafen sich kurz und dieser schauten den beiden Senshis nach die in dem Blitzgewitter und verfolgt von Neugierigen das Gebäude verliesen. "Irgendwie... kommt das Mädchen mir bekannt vor", dachte Shun, doch schüttelte dann den Kopf. Nach einigen Metern und kleinen Gassen hatten Sea und Sun die Paparazzi abgehängt. Langsam versuchten sie, wieder zu Atem zu kommen und verwandelten sich dann zurück. "Ha, genial! Ich werde eine Weltweit bekannte Heldin! Großartig!", schrie Mika während Aya sie nur fragend anschaute. "Was ist mit Ran? Und Shun?" "Ran scheint wirklich einen Schock gehabt zu haben. Wir müssen irgendwie mit ihr Kontakt aufnehmen! Und Shun erzählen wir irgendeine Geschichte. So etwas wie "Wir haben es mit der Angst zu tun gekriegt und uns beim weglaufen verlaufen" oder so. Er wird es uns schon abkaufen." "Ich hoffe du hast Recht", meinte Aya und seufzte leicht. "Du hast heute gut gekämpft!", meinte Mika und grinste Aya an. "Meinst du?" "Klar! Beeindruckend. So langsam wird es doch mit dir!" Aya lief rot an und Mika lachte. Dann griff sie nach Ayas Hand und so gingen sie zurück um Shun ihre Geschichte zu erzählen. |